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HOW TO: Detox your Life – Ein Versuch des Entrümpelns

Ich bin weit davon entfernt, mich Minimalist zu nennen… und ich möchte mich auch nicht mit anderen darum battlen, wer es von uns schafft, mit weniger Sachen auszukommen… Aber jetzt, wo das neue Jahr beginnt, denkt man schon darüber nach, ob das Leben nicht etwas vereinfacht werden kann. So, wie man seinen Körper von dem ganzen Bullshit mit ein paar Wässerchen reinigen kann, so kann man doch sicherlich auch sein ganzes Leben mal detoxen, oder nicht?

Aber fangen wir mal von vorne an.

Wenn ich morgens aufstehe, stehe ich vor der Entscheidung, welches Outfit ich anziehe. Meistens greife ich zur gleichen Kombi wie sonst auch immer: Jeans oder Leggins, bunte Socken, lockerer Pulli oder Oversize Top. Ich greife an dem quietschorangenen Pullover von H&M Trend vorbei. Den gab’s im Sale von 49,90€ auf 5€ runtergesetzt. Ein wahres Schnäppchen. So eine tolle Qualität. Ich wollte ihn als Eyecatcher anziehen zu den grauen Sneakern, die ich mir letztens bestellt hab, aber nicht so gerne trage, weil sie etwas drücken. In Wirklichkeit hasse ich eigentlich Orange. Egal, weiter im Schrank. Ach, das schöne Kleid von COS, was ich mir bei Kleiderkreisel für ein paar Euro gekrallt hab und in dem ich aussehe wie eine Bibliothekarin, das könnte ich auch mal anziehen. Mit der Brille und nem Dutt komm ich so sophisticated rüber. Aber ein Pulli ist einfach bequemer. Die Mom-Jeans könnte ich auch anziehen, aber da schaut mein Bauch vorne wie ’ne Wulst aus. Ausserdem ist sie noch nicht eingetragen, also noch nie getragen…

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Ich ziehe meine ausgedellte Jeans aus dem Schrank, vorbei an Tunika, Pullovern, Longsleeves, Cardigans in allen erdenklichen Formen und Farben. Wann ich diese Rüschenweste anziehen werde, weiss ich auch noch nicht, aber die sah so süß aus bei Zara. Die musste mit. Und so ziehe ich mein Dauerbrenner Outfit nach und nach aus dem bis zum Bersten gefüllten Schrank und ignoriere meine wunderschönen Schnäppchen/Fehlkäufe/Sammlerstücke oder wie sie alle so heißen. Alleine der Gedankengang, ob ich nicht doch mal das schicke dunkelblaue exzentrische Kleid von Weekday anziehen sollte, raubt mir so viel Zeit, dass ich mich jedes Mal ermahnen muss, meine Klamotten am Vorabend rauszulegen. Egal, schnell schminken, worauf hab ich denn heute Lust? Den knalligen Lippenstift in Pink? Ne, das zeichnet sich dann überall auf den Gläsern ab und verschmiert doch immer. Dann lieber einen von meinen 15 Nude Tönen, eigentlich nehme ich eh immer denselben. Jetzt noch schnell Schuhe anziehen…oh je.

So oder so ähnlich läuft das doch immer. Ständig diese Entscheidungen. Ich habe mir sagen lassen, dass Entscheidungen, seien sie noch so unterbewusst, eine Menge Energie rauben. Welches Instagram Bildchen verdient ein Herzchen – Entscheidungen. Welcher Post in meiner Facebook Timeline ist interessant und bringt mich zum Scroll-Stop – Entscheidungen. Welches von den tausenden Starbuck’s Getränken wird jetzt bestellt – Entscheidungen. Welche der 30 Müslisorten kaufe ich – Entscheidungen.

Am Ende des Tages ist man ausgepowert, fix und fertig und müde. Aber nicht, weil der Tag so hart war. Nein, es sind diese kleinen Entscheidungen, die einen dazu bringen, seine Energie in die Tonne zu werfen!

Wenn man sein Leben detoxen oder auf deutsch gesagt entrümpeln will, langt es schon lange nicht mehr, nur den Kleiderschrank auszumisten oder die alten Uni Unterlagen in den Müll zu werfen. Nein, man muss überall mal reingreifen und filtern. Wie die Goldgräber, die aus dem ganzen Sand und Dreck die kleinen Goldnuggets geschöpft haben, so müssen wir die Sahnestückchen ausfiltern und uns im Alltag nur noch mit diesen fetten schönen Sahnestückchen befassen.

der hässliche orangene Pullover

Ich betrachte meine Lebenswelt: Materielles, Finanzen, mein Zeitmanagement. Das sind die 3 wichtigsten Aspekte und auch gleichzeitig meine größten Baustellen, würde man sie jetzt aus der Sicht eines Minimalisten betrachten. Ich bin voller Tatendrang und schon ganz wibbelig. Mein neues minimalistisches Leben wird der HAMMER!

  1. Klamotten: Kritischer Faktor. Alles nach dem Motto „keine Schrankleichen mehr, nur noch Lieblingskleidung“. Das Zeug war aber so teuer und wenn ich das nicht mehr habe, werde ich es vermissen. Verdammt nochmal, wie machen diese Leute das? Die mit ihren 2 Hosen, 2 Pullis, 2 Shirts und 2 Schuhen, also EINEM Paar. Von meiner anfänglichen Euphorie ist nicht mehr viel zu spüren. Langsam und mit Bedacht streiche ich über das bodenlange Abendkleid, welches ich für irgendwelche Hochzeitseinladungen gekauft hab. Man will ja gut aussehen, wenn die Party in einer filmreifen Kulisse in der Karibik stattfindet. Irgendwann mal. Selbst wenn die Einladung jetzt käme, ich passe erst wieder rein, wenn ich mir die Winterplautze abgestrampelt hab. Aber dann, dann hab ich es direkt parat! „Tada!“, werde ich in mich rein protzen, „Klar hab ich ein passendes Kleid!“ Ich werde nicht gestresst nach einem Kleid suchen müssen, während alle völlig ausser sich einen Laden nach dem anderen durchkämmen, ICH werde vorbereitet sein! Auf die Hochzeit in der Karibik, auf den Urlaub im Eishotel mit meinem super schnieken goldenem Schneeanzug, auf die 60s Party, die irgendwer veranstaltet, auf das Treffen im superhippen neuen Trend-Street Food-Lokal, ICH werde vorbereitet sein! Nur irgendwie bekomme ich für meinen normalen Tag nix zusammen. Irgendwie hab ich keine Lust auf 80% der Klamotten… Mist. Langsam greife ich zu der Strumpfhose mit dem Loch im Schritt und lege sie stolz auf den noch nicht existierenden „Kann-weg-Haufen“. So, ein Teil schonmal weg. Ich blicke zum Schrank. „Sieht doch schon viel besser aus.“
  2. Make Up: Wieviele Frauen stehen täglich im dm vor den Displays von L’oréal, Astor, P2, essence und Co. und kaufen sich erneut die zehnte Nuance eines Nagellacks oder Lippenstifts. Wieviele braune Lidschatten existieren im Kosmetikschrank? Es stellt sich mir die Frage: Muss das sein? Brauche ich das? „Natürlich nicht!“, schreit mein Großhirn. Was braucht man denn so? Ich versuche auf das Wesentliche zu reduzieren. Den pinken Lippenstift hebe ich aber auf, es gibt sicherlich ein Anlass und wenn nicht, mal ich mir mein Gesicht einfach damit an und rufe laut und mit stolz geschwellter Brust „Aufgebraucht!“ in die leere Wohnung. Das wird mir Genugtuung verschaffen. Ich bin mir sicher. Man soll auch ein Mikrofasertuch zum Abschminken benutzen, anstatt sich ständig neue Wattepads zu kaufen. Hiermit kommen wir schon zum nächsten Punkt… minimalistische Kosmetikauswahl
  3. Finanzen: Weniger Wattepads kaufen bedeutet weniger Geld ausgeben. Ich muss mir nur so ein Mikrofasertuch kaufen. Ich könnte ja mal ein Projekt starten: Mit 40€ in der Woche auskommen. Das klappt mit Sicherheit. Morgen fange ich an. Also nachdem ich das Mikrofasertuch gekauft habe. Das zählt ja nicht mit. Das brauche ich ja, um mit meinem neuen entrümpelten Leben anzufangen.
  4. Social Media: Kommen wir zum Eingemachten. Informationsüberfluss. Er ist überall und jederzeit. Blöd nur, dass ich in einer Branche arbeite, in der der Umgang mit den sozialen Medien essentiell ist. Mist. Naja egal, was haben wir denn noch so? Oh, das war’s schon?

Wenn ich die ganze Sache so überdenke, kann ich schon verstehen, dass man das Bedürfnis nach Mehr als eine nicht real existierende Mangelerkrankung ansehen kann. Ein Loch, das gestopft werden will. Der Hyperkonsum ist überall und nimmt arme Seelen in Beschlag. Aber kann ich denn nicht mit meinen ganzen Klamotten, Lippenstiften und Klimbim leben, ohne ein gestresster Mensch zu sein? Ich glaube, die Lösung wäre Aufräumen…

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5 replies »

  1. Du sprichst mir da echt aus der Seele! Ich liebe Ramsch und Unnützes, aber irgendwie liegt alles, was bei mir für ein „OMG, das brauch ich sofort“ sorgt, verliert viel zu schnell wieder an Bedeutung. Immerhin konnte ich mein zu-viele-Klamotten-Problem lösen, indem ich mit meinem Freund zusammengezogen bin und wir uns jetzt einen Schrank zu zweit teilen müssen 😀 Viele Möbel und große Möbel sind auch so ein Problem des Sammelns.
    Viele liebe Grüße und viel Spaß beim Weitersortieren 😀
    Ulli

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    • Es tut gut zu hören, dass man nicht ganz alleine ist 😀 Leider hat mir das Zusammenziehen lediglich das „ich muss die Sachen einfach auf noch kleinerem Raum unterbringen“ gebracht, weniger ist es definitiv nicht geworden…eher komprimierter, ja diese Umschreibung trifft es eher. Ich glaube wenn ich jetzt noch ein Tick bei Möbeln hätte, wäre dies das Ende 😀 definitiv
      Ganz ganz liebe Grüße!

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  2. Hallo Ana,
    was für ein toller Beitrag! Ich beschäftige mich derzeit auch ab und an mit dem Thema, auch wenn ich über die selben Hindernisse stolpere wie du. Aber gerade was das Thema Kleidung angeht, kann ich dir folgendes empfehlen: Mach dir auf Pinterest eine „Find your style“ Pinnwand und poste dort Outfits, die dir gefallen und wo du denkst, dass du sie auch tragen würdest. Am Besten ist es, wenn du davon schon 1-2 Teile im Schrank hast. Wenn du das eine Weile machst und dir dann die Pinnwand wieder ansiehst, dann fällt dir schnell auf, welcher Stil dir besonders gut gefällt, oder welches Farbschema du so hast. Ich kaufe mittlerweile beispielsweise eigentlich nur noch weiß/schwarz/blau/grau, weil ich eh nichts anderes wirklich trage. Deswegen kann ich mittlerweile viel mehr kombinieren, als vorher und weiß genau, nach welchen Teilen ich beim Shoppen Ausschau halten muss.

    Vielleicht konnte ich dir damit ja weiterhelfen 🙂
    Übrigens habe ich es bisher komplett versäumt, dass du auf Instagram bist. Gleich mal geändert und dir gefolgt!

    Liebste Grüße,
    Julia

    Gefällt 1 Person

    • Hey Julchen, das ist ein richtig cooler Tipp 😀 ich glaube bei mir scheitert es aber weniger an diesem „Stil finden“ Ding. Mein Problem ist meine Liebe zu ausgefallenen und schönen Sachen. Bei mir geht das im Kopf dann so: „wow, was ist das denn?! das muss ich haben, das hab ich noch nicht!“. Früher habe ich richtig krass 80er Jahre Klamotten, Schmuck und Accs gesammelt. Mittlerweile habe ich sie nach und nach auf Flohmärkten, bei Swap Parties oder auf Kleiderkreisel verkauft und getauscht, aber diesen Spleen werde ich wohl einfach nicht los 😛 Ich kann dir nicht mal sagen wo das angefangen hat, ich weiss nur, dass das schon immer so war 😀 Ich werd mich wohl jedes Jahr aufs neue beschweren, hahaha 😀 aber das Hauptproblem ist meiner Meinung nach klar: Ich brauche einfach mehr Platz 😂
      Ich werde dich gleich mal bei Instagram stalken 😁 einen superkalifragilistischen Start ins neue Jahr liebe Julia!! Grüße und Küsse 😘

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