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Der Trödelhändler und der Hipster – Ein Abend auf dem Nachtflohmarkt

Gemütliches Samstag-Abend-Programm. Wenn man an einem Samstag Abend zu faul zum Weggehen ist, aber die Couch auch keine Alternative bietet, was wäre dann der Kompromiss?
Man geht auf einen Nachtflohmarkt, wo man zwischen all den Second Hand und Vintage Klamotten auch mal selbst im gemütlichen Stöber-Outfit herumwühlen kann.
In Köln hat sich als erster Nachtflohmarkt in diesem Jahr der Nachtkonsum Flohmarkt angeboten. Dieser Nachtflohmarkt wird in mehreren deutschen Städten veranstaltet und bietet für eine kleine Eintrittsgebühr von 2-3 Euro zusätzlich zum Einkaufserlebnis Live-Musik und kulinarische Leckereien von diversen Gastronomie Pop-Ups.

Also gemütliche Sachen an, ein paar nette Leute getroffen, Ausschau nach ein paar Schnäppchen gehalten und zwischendurch etwas Leckeres gegessen oder getrunken. Die Kölner Nachtkonsum Ausgabe findet regelmäßig in Köln-Ehrenfeld statt, und zwar auf dem Gelände um und im Jack in the Box e.V., einem für verschiedene Events restaurierten Teil des alten Güterbahnhofs.

Die Location – Nichts für Stauballergiker

Wenn man das Gelände bereits von diversen anderen Events kennt, weiss man, dass man relativ pünktlich auf der Matte stehen sollte. Die Stimmung ist zwar immer sehr ausgelassen, jedoch wird es nach einiger Zeit richtig voll, gerade weil einige Besucher keine Frühaufsteher am Wochenende sein wollen. Bei Events mit Ständen wie dem Flohmarkt ist es dann schwierig, zwischen 6-8 Flohmarktbesuchern noch einen Blick auf den jeweiligen Tisch zu erhaschen. Neben der raschen Überfüllung bei solchen Veranstaltungen sollten auch Stauballergiker bedenken, dass hier neben den teilweise im Keller oder unter dem Dach gelagerten Flohmarktwaren sich ein Teil der Veranstaltung in einer halbgeschlossenen Fabrikhalle abspielt, wo zu dem Hausstaub auch eine Menge Lagerstaub hinzukommt und die Frischluft ab einer bestimmten Menge von Besuchern sehr rar wird.

Gibt es das auch für einen fairen Preis?

Neben den üblichen Live-Bands, die oft aus der Indie Ecke stammen und den Leckereien oder dem gemeinsamen Bierchen, muss ich jedoch bemängeln, dass mittlerweile zu viele Händler auf diesen ehemals „undergroundigen“ Flohmärkten hausen. Da findet man plötzlich einen Stand mit vermeintlichen „Vintage“ Lederhandtaschen von angeblichen Sammlern. Crocodile Dundees mit Bauchtaschen voller Geldscheine, denen man auf jedem anderen Kölner Flohmarkt an den immer gleichen Ständen begegnet. Oder auch der „Retro“ Videospielehändler, der Standard Titel für SNES und Co. zu übertriebenen Preisen an ahnungslose Wiederentdecker der Retrowelle verkauft, nur weil das Spiel weniger vergilbt ist als der Rest. Die Vergilbung, die jedoch nicht aus dem privaten Haushalt eines „kettenrauchenden Sammlers“ stammt, ist vielmehr ein Resultat davon, dass diese Spiele eine ziemlich lange Zeit bereits im Schaufenster eines An- und Verkaufladens lagen. Diese Sorte von Händlern kauft große Mengen aus Auflösungen jeglicher Art an und verkaufen dann zu lieblos recherchierten und absurden eBay Preisen weiter. Das kann man auch ehrlicher haben und geht dann gleich auf einen Sonntagsflohmarkt auf dem Parkplatz eines Baumarktes und kauft sich gleich noch einen Jahresvorrat an Batterien dazu. Es sind einfach zuviel Händler für meinen Geschmack.

Möchtegern-Flohmarktbesucher

Das anfängliche Konzept des kultigen Szene-Flohmarkts für den modernen trendorientierten Großstadt Hipster, auf dem man ausschließlich Schätze, Seltenes und Skurriles findet, bleibt so langfristig gesehen dann leider auf der Strecke. Einige Besucher waren auch erst gar nicht wegen dem Flohmarkt dort, sondern steuerten zielstrebig auf die Bar zu. Der hippe Enddreißiger, dessen Frau und Kind auf dem Flohmarkt rumstöbern und dessen Bar Begleitung der andere Enddreissiger des befreundeten Pärchens ist. Sie bestellen sich zwei bittere, aber hippe Craft Biere für 3,50 Euro und lauschen den Klängen der Alternative Band. Während der eigentliche Flohmarktbesucher Probleme damit hat, überhaupt an der Theke in Richtung Stände vorbeizukommen.

Lohnt es sich?

Aber was bekommt man denn nun neben dem Rahmenprogramm auf dem Flohmarkt, wenn man wirklich auf Schnäppchen aus ist? Generell ist es für den Aussenstehenden ein trendiger Ausnahmeflohmarkt mit besonderem Rahmenprogramm. Aber was ist es für den verwöhnten Großstädter, den rumtreibenden Flohmarktprofi aus Köln? Als regelmäßiger Flohmarktgänger findet man hier relativ wenig. Einige Mädels wollen sich von ihren „Schätzen“ noch nicht wirklich trennen, so wird dann ganz gerne für ein einfaches H&M Teil noch fast der Ladenpreis verlangt oder teilweise für Textilien Sammlerpreise aufgerufen. Generell stellt sich mir dann hier die Frage, ob solche „Sammlerstücke“ dann nicht besser auf Sammlerbörsen angeboten werden sollten. Denn wer geht schon auf den Flohmarkt, um unnötig viel Geld zu verschleudern? Man findet zwischendurch sicherlich das ein oder andere interessante Teil, ein gutes Buch oder ein schönes Einrichtungsstück, aber halt nur Kleinigkeiten. Nicht mehr, nicht weniger.

Fazit

Wie bei allen Dingen, die nach einiger Zeit der Routine weichen, sinkt die Anfangseuphorie recht schnell. Für den geübten Flohmarktgänger eher nix, als Begegnungsort am Wochenende definitiv interessant.

Viel Spaß mit den Bildern! Eure Anabanana

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